Yang-Chengfu-Tai-Chi-Chuan

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Die Tai-Chi-Prinzipien

Hier geht es um das "Grundgesetz des Yang-Stils" und wie man die dazu gehörigen "Essentials" korrekt unterrichtet - andere Familienstile nutzen durchaus abweichende Trainingsgrundlagen mit abweichender Wertung und anderer Historie. Die Wahl der "richtigen Schule" ist bei diesem Grundsatz-Thema von besonderer Wichtigkeit - zumal ein Großteil der Lehrenden nur unqualifiziert ausgebildet ist und "gefühlte Esoterik-Fakten" als Tatsachen darstellt. Hier hilft die Lehrer-Checkliste des Tai Chi Zentrums Hamburg.

Wie andere Künste auch hat das "chinesische Schattenboxen" wichtige Grundsätze, die es unbedingt einzuhalten gilt, wenn man der Kunst gerecht werden und sie vollständig beherrschen will. Eine eminent wichtige Rolle spielen dabei die Lehrenden, denn sie sollen die Überlieferung und Wahrung ja gewährleisten. Eine ebenso zentrale Rolle spielt natürlich die textliche Ausgestaltung und das Vorleben dieser Richtlinien beim praktischen Unterrichten. Und bereits hier hapert es, denn die chinesischen "Taiji-Klassiker" sind ebenso lückenhaft wie vage - und schlimmer noch: Sie richten sich an "Eingeweihte" und keineswegs an Anfänger. Unschwer zu erkennen ist ihr inneres Anliegen: Ihre "Wushu-DNA", d. h. sie beschäftigt sich mit chinesischer Kampfkunst und ihren esoterisch-spirituellen Grundlagen, die zur Unbesiegbarkeit, Erleuchtung und Unsterblichkeit führen sollen. Angesichts dieser Sachlage ist es kein Wunder, daß man zu diesen doch so grundlegenden "Essentiellen Punkte für richtiges Taijiquan" so viel Falsches und Irriges geboten bekommt. Dies wird hier ausgeführt am wohl bekanntesten Protagonisten, dem Altmeister Yang Chengfu (1883-1936), der seine aus den Klassischen Schriften und seinen persönlichen Erfahrungen gewonnenen Erkenntnisse von seinen Schülern Chen Weiming und Zheng Manqing gemäß seinem persönlichen Diktat aufschreiben ließ.

Hinweis: Schon seit einigen Jahrzehnten beobachten Fachleute eine interessante Entwicklung: Zahlreiche Kampfkunst-Stilrichtungen versuchen, sich "innerlich aufzuhübschen", indem sie "innere Prinzipien", wie sie Yang Chengfu aus den Taiji-Klassikern übernommen hat, auch für ihren Stil reklamieren, ohne dies belegen zu können. Letzlich trägt übrigens der Meister selbst daran eine Mitschuld durch seine längst widerlegte Meinung, die Internals gäbe es nur im Taiji, Xingyi und Bagua. De facto waren sie, wie Forschungen zeigen, in einem großen Teil hochentwickelter Wushu-Stilen verbreitet - man denke nur an das auf chinesische Wurzeln zurückgehende Shindo Yoshin Ryu Jujutsu. Insofern hat es also durchaus seine Berechtigung, wenn sogenannte "externe Kampfkünste" ihre eigene Historie hinsichtlich dieser "Internals" genauer erforschen und recherchieren würden.

Die Zehn Tai-Chi-Prinzipien gemäß Yang Chengfu

Yang-Chengfu Tai Chi Chuan - DTB-Centers and AffiliatesYang-Chengfu Tai Chi Chuan - DTB-Centers and AffiliatesDas Yang-Stil-Taijiquan ist sehr attraktiv. Seit Yang Chengfus Kommentaren seiner persönlichen Auffassung der Yang-Taiji-Prinzipien gilt die Stilrichtung auch als Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Diese Betonung des "Qi" gilt seither vielen als genialer Schachzug des Altmeisters. Und in der Tat sind die daraus resultierenden systematischen und inhaltlichen Vorteile von großer Bedeutung. Daß Meister Yang die Leitlinien für gutes, korrektes Tai Chi Chuan für seine Schüler in verbindliche Grundsätze faßte, ist ganz sicher ein bleibendes Verdienst des "großen Standardisierers", ohne das die weltweite Verbreitung wahrscheinlich fehlgeschlagen wäre. Es zegt sich daran, wie grundlegend Systematik, Standards und ihre Propagierung sind. Im größeren Zusammenhang von Forschung und Lehre sollte man jedoch stets auch kritisch Mängel und Defizite des mutigen Unterfangens behandeln.

Fachleute sehen dabei übrigens ein grundsätzliches Problem: Die Prinzipien stammen aus dem Kampfkunst-Bereich, doch das Interesse daran nimmt weltweit immer mehr ab. Angesichts dieser Entwicklung hin zur Gesundheit könnte dadurch schwierig werden, den hohen Stellenwert der Essentials zu gewährleisten. Siehe dazu die Recherchen des Dt. Dachverbandes auf www.tai-chi-qigong-verband.de/ und die Übungsanleitungen von Fu Zhongwen und der 1992 in Deutschland gegründeten Dt. Yongnian Gesellschaft.

Praxis der Tai-Chi-Prinzipien - Grundlagen-Training mit ausgewählten Übungen

Der Stellenwert des praktischen Übens wird beim Thema der Prinzipien oft übersehen, weil es ja zunächst um verbale Anweisungen geht - sowohl in den Taiji-Klassikern als auch in den Werken Yang Chengfus. Doch die Worte bilden nur die Oberfläche - ihre Tiefe erschließt sich nur dem beharrlich und ernsthaft Übenden. Für das Prinzipien-Training bieten sich kleine Sequenzen der Langform an - dazu nutzen wir u. a. die DTB-DVD, auf der die Praxis aller zehn wichtigen Punkte systematisch gelehrt wird.  Auch Qigong-Übungen können effektiv zur Beherrschung der Prinzipien genutzt werden. Interessant in diesem Zusammenhang sind die japanischen Nairiki-No-Gyo, die Mitte des 16. Jahrhunderts aus China nach Japan kamen. Da sie dort nie verändert wurden, stellen sie ein wichtiges historisches Übungsgut dar.

Die Zehn Tai-Chi-Prinzipien - Richtig Lernen und Richtig Lehren

Laut DTB-Recherchen zur Pädagogik des "Richtig Lernens und Lehrens" übersehen Lehrende beim Unterrichten von Yang Chengfus Taiji-Prinzipien oft die nötige Grundsatz-Entscheidung. Für chinesische Lehrmeister sowie für deutsche Lehrer, die deren quasi-religiöser esoterischer Weltanschauung folgen, sind die Prinzipien "eherne Gebote", während moderne Lehrer westlicher Erwachsenenbildung oft von einer Art "Taiji-Grundgesetz" sprechen und kritischen Faktencheck unterstützen. Mit dieser "Gretchenfrage" steht jeder Lehrer vor dem Entweder-Oder-Scheideweg zwischen Fundamentalismus und Forschung - beides zusammen wird nicht gehen!

Yang-Chengfu-Tai-Chi-Chuan: Training der Essentials mit Dr. Langhoff

Die Prinzipien sind auch für unsere "Yang-Chengfu-Taijiquan-Gruppe maßgeblich und darüber hinaus ein zentrales Bindeglied, das die Qualität korrekten Trainings sichert. Wir berücksichtigen Formulierungen von Yang Chengfu, Fu Zongwen und Yang Zhenduo. Die letzteren haben in Hamburg praktische Übungen und Grundlagen dafür persönlich unterrichtet.

Bei den Vorgaben für die korrekte Beherrschung des "chinesischen Schattenboxens" handelt es sich größtenteils um Vorlagen, Sprüche und Merkverse aus den "Tai-Chi-Klassikern", die auch in der Familie Yang seit Yang Luchan überliefert und verehrt wurden. Viele überschätzen indes den Wortlaut und die Kommentare - der Altmeister selbst betont, dass der Schüler weit mehr tun muß als sie nur zur Kenntnis zu nehmen: Gefordert sind sorgfältiges Bemühen um die dahinterliegende Bedeutung. Laut Schüler Cheng Manching betonte der Altmeister stets, dass das Kampfkunst-Verständnis ohne die Kenntnis der Prinzipien schwierig wäre selbst wenn man drei Leben lang lernen würde! Doch selbstverständlich sollte man solche "Deutungshoheit" stets "con grano salis" nehmen.

Jeder, der sich ernsthaft mit dem Yang-Stil beschäftigt und ihn richtig ausüben möchte, sollte zunächst verstehen, daß die in den Prinzipien vorausgesetzte Entspannung (SUNG) nicht das Ziel der Prinzipien darstellt sondern lediglich die Methode: Ziel ist die Entwicklung der Inneren Kraft - und die kann man nicht direkt absichtlich angehen; vielmehr bekommt man sie "ungewollt" "quasi automatisch geschenkt" als Ergebnis des steten Trainings.

Die "Essentiellen Punkte des Yang-Chengfu-Taijiquan" werden extrem unterschiedlich übersetzt. Das gilt für die Übersetzungen aus dem chinesischen sowie die Übersetzungen aus dem Englischen. Dabei kommt es nicht selten zu falscher Wiedergabe. Diese werden auf dieser Unterseite gelistet. Es werden Vorschläge zur Korrektur diskutiert. Eine sehr bekannte Wiedergabe ist die von Fu Shengyuan, die auf seinen Vater Fu Zhongwen zurückgeht. Dieser hat lange Jahre direkt von Yang Chengfu gelernt.

In der Fachwelt finden sich unterschiedliche Reihenfolgen und Auflistungen. Die auf Yang Chengfu zurückgehende hat sich weitgehend durchgesetzt. Zwischenzeitlich hatte Yang Zhenduo eine von seinem Vater abweichende Zählweise unterrichtet - so auf seinem Seminaren beim Tai Chi Zentrum Hamburg eV und auf den in den USA produzierten Lehrvideos mit Yang Jun.

Zudem kann man natürlich nach Zusammenhängen logischer oder inhaltlicher Natur suchen. Dabei ordnet z. B. Dave Barrett die Essentiellen Punkte drei unterschiedlichen Gruppen zu:

Was viele Praktizierende nicht wissen: Yang Chengfu betonte in frühen Jahren 13 grundsätzliche Prinzipien, aus denen später 10 wurden. Es fielen folgende drei weg, ohne dass der Text der übrigen geändert wurde (!):

 

Die Prinzipien - unterschiedliche Interpretationen bei Schulen

In der DTB-Lehrer-Checkliste spielt ein Kriterium eine entscheidende Rolle: Die Yang-Style-Essentials bzw. die 10 Yang-Chengfu-Tai-Chi-Prinzipien. Das Besondere: Sie werden sicherlich von jeder Yang-Stil-Schule als verbindliche Grundsätze des Unterrichtens anerkannt. Oft hat es einen Status, der einem "Grundgesetz" vergleichbar ist. Dabei gibt es eine Art "Shiboleth, mit dem man die Spreu vom Weizen trennen kann": Typischerweise folgen fundamentalistisch orientierte Lehrer dabei Yang Chengfus Irrtümern, während offene, verantwortlich Lehrende diese Grundsätze in ihrem Unterricht an die Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschung anpassen werden. An der unterschiedlichen Auslegung der Prinzipien kann also auch ein Laie die Wahl einer geeigneten Schule deutlich eingrenzen. Die jeweilige Interpretation der Yang-Chengfu-Kommentare sagt dabei sehr viel über die innere Haltung des Lehrenden aus. Auch hier helfen die TCZ-Experten europaweit gern detailliert mit Rat und Tat: Yang Chengfu Tai Chi Chuan Center.

Die Prinzipien - unterschiedliche Sehweisen innerhalb der Yang-Familie

Innerhalb der Yang-Familie ergibt sich kein einheitliches Bild zum Stellenwert der Prinzipien. Der Hongkong-Clan mit seinem älteren, authentischen Familienerbe hält fest an der Zahl von 13 Prinzipien, während der "Seattle-Shanxi-Clan" die auf 10 gekürzte Fassung lehrt. Dabei ist Yang Zhenduo vor einiger Zeit von seiner eigenen Zählweise abgewichen und benutzt wieder die von Yang Chengfu. Er sieht in den Essentials die Garantie für "gutes Tai Chi" während sein Enkel Yang Jun ja in einem youtube-Interview mit Mad-Decode die abweichende Meinung vertritt, die Prinzipien wären das offizielle Association-Kritierium für "traditionelles Tai Chi" (!). Siehe auch www.yang-chengfu-center.posture-inside.com/p-prinzipien.html.

Yang Chengfu Center und die Tai-Chi-Prinzipien

Die vom "Shanxi-Seattle-Clan" schriftlich zertifizierten "Yang Chengfu Taijiquan Center" gelten ihrer Community als "alleiniger autorisierter Hüter des traditional Yang Family Tai Chi Chuan". Der zentrale Bezug auf den Standardisierer Yang Chengfu und auf seine Weltsicht und Lehrinhalte weist auch den Prinzipien eine wichtige Rolle zu, da in ihr alles enthalten sein soll, was "richtiges Tai Chi" auszeichnet. Doch gerade diese Essentials enthalten Mängel und Defizite, die auch dem Ansehen von Yang Juns und Yang Zhenduos "International Association" nachhaltig schadet - jedenfalls bei solchen Lehrern, die verantwortungsvoll und ideologie-frei unterrichten.

Massiver Mitgliederschwund: Kürzlich teilte Yang Juns "International Association" mit, daß ca. zwei Drittel aller Mitglieder über die vergangene Dekade wieder ausgetreten sind - der verbleibende Rest ist weltweit verteilt und bildet eine weitgehend isolierte Community. Die signifikante Schwächung der Glaubensgemeinschaft für das "traditional Yang Family Taijiquan" ist u. a. der Tatsache geschuldet, daß sie nicht durch eine einheitliche Corporate Identity erkennbar ist: Jedes Yang Chengfu Center bastelt sich eine eigene Innere Haltung aus der Mission des Meisters. Diese ist übrigens an keiner Stelle in ihrem vollen Umfang dargestellt, sodaß vieles der Gefolgschaft unbekannt bleiben muß. Die Folge ist bekannt: Die Ideologie der "Heilsbotschaft zum Wohle der Menschheit" wird unzureichend kommuniziert und die Inhalte des Lehrstoffs der Yang-Jun-Seminare werden unrichtig wiedergegeben.

Angesichts dieser Intransparenz kommt dem DTB-Projekt einer europa-weiten EU-Zertifizierung eine zentrale Rolle zu. Siehe dazu das Stundenbild hier: Yang-Chengfu-Tai-Chi-Center: Stundenbild.

 

Dr. Langhoff über seine Sicht der Taijiquan-Prinzipien

Der DTB-Ausbilder und Lehrer vieler Yang-Chengfu-Taiji-Gruppen Dr. Stephan Langhoff ist ein ausgewiesener Kenner der Yang-Chengfu-Form und der ihr zugrundeliegenden Essentials. Für ihn bilden die zehn Punkte sozusagen die "Yang-Stil-DNA" und damit die "Yang-Stil-Seele, die stets möglichst unverwässert und mit dem nötigen Fachwissen und Verständnis unterrichtet werden sollte. Er betont die Wichtigkeit der eigenen Übe-Praxis beim korrekten Verständnis der Essentials und verweist auf eine Aussage von GM Yang Zhenduo , derzufolge sie keine "disembodied qualities" seien. Statt kopflastiger Betrachtung sollte man sie anhand praktischer Übungen stets im eigenen Training ergründen. Der Dachverband DTB eV hat dazu eigene Lehrvideos produziert, die die Grundlage der Lehrerausbildung sind. Eine von Dr. Langhoff kommentierte Liste der Essentials findet sich auf www.prinzipien.tai-chi-verband.de/.

Dr. Langhoff: Zunächst ein Hinweis: Ziel meines Unterrichts - besonders in der Aus- und Fortbildung von Lehrenden - ist die Bildung gefestigter Persönlichkeiten, die mit ihren Kompetenzen und Kenntnissen übergreifend-virtuos umgehen können sollen. Sklavisches Hängen an Worten wie man es häufig in Yang-Stil-Glaubensgemeinschaften findet, ist m. E. keine Lösung des Problems sondern nur ein Teil desselben. Bei der Interpretation der Prinzipien sollte man gemäß der bekannten Übersetzer-Regel stets "so wörtlich wie möglich und so frei wie nötig“ verfahren. Esoterische Begrifflichkeiten dabei unkommentiert einfach zu übernehmen halte ich für unvertretbar.

Yang-Stilisten zweckentfremden die Zehn Prinzipien oft, indem sie sie als Beweis interpretieren für die These, es gäbe eine klare Zugehörigkeit von Schulen zu ENTWEDER "inneren" ODER "äußeren" Kampfkünsten. Doch eher belegen die alten Schriften: Es gibt nur "schlechte innere Kampfkünste" und durch die Befolgung der Essentials werden daraus "gute innere Kampfkünste"! S. dazu Mike Sigman: "Much of what we see in the broader medium range are people with limited whole-body usage, but who can use linear jin, to some degree. Bear in mind that all Chinese martial-arts, when done correctly, are going to have degrees of qi and jin in them, so for the most part what we see in many "Taiji experts" is really no more than basic CMA demonstrations of qi and jin to students who don't know any better. Actually, the teacher often doesn't know where he is in that sort of scale, so he thinks he's doing pretty pure and honest "Taijiquan" Quelle: https://www.facebook.com/groups/349208698527821/permalink/1482650571850289.

Ich unterrichte die Prinzipien besonders gern auf meinen Intensiv-Seminaren, da dann immer genügend Zeit für Details und Nachfragen zu diesen zentralen Grundsätzen ist. Auch machen wir dabei Lehrproben, bei denen meine Schüler einer Kleingruppe ein bestimmtes Prinzip erklären müssen, so wie sie es selber verstehen. Dabei kann man dann sehr schön unzureichende oder falsche Interpretationen erkennen, die von den zudem ja auch recht vagen Texten her nicht belegbar sind. Mir ist auch wichtig, daß meine Schüler kritisch bleiben und auch Irrtümer erkennen wie Yang Chengfus Fehleinschätzung, ausschließlich Tai Chi, Bagua und Xinyi nutzen diese Martial-Arts-Internals. Ich zeige dann oft am Beispiel des 6. Prinzips "Nutze Gedankenkraft statt roher Körperkraft", daß japanische Künste wie Aikido, Judo, Jujutsu und selbst Karate dieses Prinzip schon immer zur Grundlage ihrer Methodik machten. Ich persönlich halte mich übrigens an die Prinzipien-Nummerierung von Yang Zhenduo, weil ich sie von ihm gelernt habe; doch halte ich die Nummerierung von Yang Chengfu für fachmännischer, wenn es um die Generierung der Inneren Kraft geht.

Ich werde oft gefragt, welches der Prinzipien das wichtigste sei. Ich habe bei der Antwort typischerweise "gemischte Gefühle" aber ich finde, daß es zunächst einmal eine exzellente Frage ist. Ich persönlich ändere übrigens alle paar Jahre meine Prioritäten. Meine Antwort fällt jedenfalls je nach dem Niveau und Zielsetzung des Ratsuchenden unterschiedlich aus. Anfängern rate ich, die zunächst die einfachsten für die wichtigsten zu wählen - also z. B. Nr 1 "Kopf aufrecht" oder Nr. 3 "Schultern, Ellbogen, Handgelenke lockern". Kampfkunst-Interessierten empfehle ich Nr. 6 "Voll und Leer unterscheiden", da dies Strategie und Taktik in der Selbstverteidigung besonders gut illustriert. Doch vielen Schülern ist auch die Meditation wichtig und sie versuche ich, für Nr. 7 zu begeistern "Das Innen führt das Außen". Diese Forderung nach "Körper-Geist-Einheit" ist übrigens, wie meine Schüler wissen, mein Favorit, da es m. E. ein ganz entscheidendes Fundament östlicher Kultur darstellt und dem Westler wohl besonders tiefe Erfahrungen vermitteln kann.

Jahrzehntelang habe ich übrigens die Meinung vertreten, daß ALLE Prinzipien GLEICH WICHTIG seien, aber seit einiger Zeit hinterfrage ich diese Sicht, denn sie ist ja nicht selbstverständlich. Ich denke zwar, daß sich "gutes oder richtiges Tai Chi Chuan" erst ergibt, wenn alle Prinzipien zugleich eingehalten werden, doch stellen sich eventuell "überproportionale Fortschritte" bereits dann ein, wenn man sich zunächst auf die "wichtigsten" beschränkt. Doch vielleicht dreht man sich dann im Kreise - denn man müßte ja wissen, welche die wichtigsten sind ...